Fragen zur Schweizer Spurenstoff-Strategie

Was bringen End-of-pipe-Massnahmen im Vergleich zu Massnahmen an der Quelle?

Eine der Hauptquellen von Mikroverunreinigungen (ca. 40%) ist der Eintrag durch kommunale Kläranlagen. Mit End-of-pipe-Massnahmen wird ein grosser Teil dieser Mikroverunreinigungen nicht ins Gewässer eingetragen. Weitere 40% der Belastung stammen aus Einträgen via Drainagen von mit Pestiziden behandelten landwirtschaftlichen Flächen und etwa 20% aus Einträgen aus Industrie und Gewerbe. Der Bericht «Massnahmen an der Quelle zur Reduktion von Mikroverunreinigungen in den Gewässern» zeigt, dass Massnahmen an der Quelle gegen Mikroverunreinigungen teilweise bereits umgesetzt aber noch verstärkt werden können.

Wie ist die Einschätzung der Akzeptanz der ARA Betreiber/Bevölkerung?

In der Studie “Cost-benefit analysis of the Swiss national policy on reducing micropollutants from treated wastewater “ (Logar et al. 2014) wurden 1000 Schweizer befragt. Diese Studie zeigte, dass die Schweizer Zahlungsbereitschaft sehr hoch ist: ein Haushalt ist bereit, bis zu 100 CHF pro Jahr zu bezahlen, um das Umweltrisiko zu reduzieren.

Es gibt Studien, die zeigen, dass mit nitrifizierenden ARA bis 80% der Spurenstoffe eliminiert werden können. Bringen denn die weitergehenden Verfahren noch etwas?

In der Schweiz wie auch in Deutschland wurden in den letzten Jahren sehr viele Untersuchungen zur Elimination von Spurenstoffen durchgeführt. Die verschiedenen Studien unterscheiden sich aber oft bezüglich der Auswahl der untersuchten Stoffe. Die Elimination von organischen Spurenstoffen in (nitrifizierenden) ARA ist stark stoffabhängig und reicht von 0 bis 100%. Wird jedoch ein breites Spektrum an Stoffen gemessen, zeigt sich, dass in nitrifizierenden ARA in der Regel mittlere Eliminationsleistungen von 30–50% erzielt werden (verglichen mit etwa 10–25% in nicht-nitrifizierenden ARA). Mit weitergehenden Verfahren erhöht sich die Gesamtelimination auf über 80%, wobei in der Regel besonders kritische Stoffe zu über 90% entfernt werden und im Ablauf nicht mehr nachgewiesen werden können. Eine weitgehende Elimination eines breiten Spektrums von Spurenstoffen (hormonaktive Substanzen, Medikamentenwirkstoffe, Biozide etc.) ist mit den heute eingesetzten biologischen Verfahren aber nicht möglich (Falas et al., „Tracing the limits of organic micropollutant removal in biological wastewater treatment“, Water Research 95, 240-249, 2016).

xeiro ag